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Hrant Dink
(* 15. September 1954 in Malatya, ....)
war Armenier türkischer Staatsbürgerschaft, Journalist und einer der Herausgeber der in Istanbul erscheinenden zweisprachigen Wochenzeitung Agos. Der von nationalistischen Kräften in Gesellschaft und Justiz seit Jahren verfolgte Redakteur wurde auf offener Straße erschossen. Dink hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

Leben

Dink wurde als Christ in der Armenischen Apostolischen Kirche erzogen und wuchs nach der Trennung seiner Eltern in armenischen Waisenhäusern in Istanbul auf.

Hrant Dink studierte Zoologie und Philosophie und war als Student politisch links engagiert, weswegen er nach dem Putsch von 1980 dreimal verhaftet wurde. Er saß mehrere Monate im Gefängnis und erhielt jahrelang keinen Pass von den türkischen Behörden.

Sein Leben änderte sich, als Mitte der 1980er Jahre der türkische Staat das armenische Ferienheim beschlagnahmte, in dem er die Sommer seiner Kindheit verbracht hatte und das er damals gemeinsam mit seiner Frau Rakel leitete. Es wurde wie tausende andere christliche Besitztümer (Kirchen, Krankenhäuser, Schulen usw.) konfisziert, in diesem Fall unter dem Vorwand, die armenische Kirche habe das Grundstück illegal gekauft. Dink gründete daraufhin „Agos“, eine armenische Zeitung, in der politisch heikle Themen offen diskutiert werden, und zwar in zwei Sprachen, Armenisch und Türkisch. Etwas über 6000 Exemplare werden derzeit pro Woche verkauft.

Hrant Dink wurde wegen „Agos“ unzählige Male vor Gericht gestellt, aus nichtigen Anlässen, wie international kritisiert wurde. Mehrfach wurde er wegen „Beleidigung des Türkentums“ vor Gericht zitiert, wie vor ihm auch der Träger des Literaturnobelpreises Orhan Pamuk. Zuletzt wurde er 2005 zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er geschrieben hatte, dass der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich dazu geführt habe, dass ein Volk, das 4000 Jahre auf diesem Boden gelebt hat, ausgemerzt worden ist. Dieses Urteil wurde 2006 als erstes unter dem umstrittenen neuen Artikel 301 im türkischen Strafrecht vom obersten Gerichtshof der Türkei bestätigt. Drei weitere Verfahren waren bei seinem Tod noch anhängig. Mit der Verurteilung erhielten die Angriffe auf Hrant Dink offiziellen Rückhalt.

Auszeichnungen

Im Jahr 2005 erhielt Hrant Dink den"Ayşe Nur Zarakolu Düşünce ve İfade Özgürlüğü Ödülü"
(Ayşe Nur Zarakolu Gedanken- und Meinungsfreiheitspreis).

Für sein Engagement wurde Dink am 12. Mai 2006 in Hamburg mit dem Henri-Nannen-Preis für Verdienste um die Pressefreiheit ausgezeichnet.

Auch erhielt er für seine Arbeit am 24. November 2006 den mit 100.000 Kronen dotierten Norwegischen Björnson-Preis.

Für seine Arbeit wurde er außerdem im Dezember 2006 in Den Haag (Niederlande) mit dem Oxfam Pen Award ausgezeichnet.

Werk

Agos“ ist klein, wird aber in der Türkei viel beachtet. „Agos“ berichtet über die Schikanen der türkischen Bürokratie, mittels der der christlichen Minderheit in der Türkei das Leben schwer bis unerträglich gemacht wird. Die Zeitung berichtet über Enteignungen, über Diskriminierungen, über Gesetze, die sich gegen Presse- und Meinungsfreiheit richten. Die Zeitung prangert an, dass es in der kemalistischen und säkularen Türkei noch nie einen hochrangigen nichtmuslimischen Beamten oder Offizier gegeben hat. Nur an Universitäten können Mitglieder der Minderheiten im Staatsdienst Karriere machen. Auch der Völkermord an den Armeniern in den Jahren nach 1915 ist ein Thema in „Agos“. Hrant Dinks diesbezügliche Positionen wurden von verschiedenen Seiten kritisiert. So hielt er Debatten über Zahlen – starben damals „nur“ 300.000 oder 1,5 Millionen Armenier – sowie über den Begriff „Völkermord“ für nicht so wichtig. Darin widersprach er den Mitgliedern der armenischen Diaspora. Nach Dinks These ist nicht das Wort, sondern das Ereignis entscheidend, nämlich die Auslöschung der Armenier auf dem Gebiet der heutigen Türkei.

Hrant Dink lehnte Resolutionen ab, welche von Parlamenten bezüglich des Themas beschlossen wurden. Daher betrachtete er den Plan des französischen Parlaments, die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe zu stellen, als "idiotisch", weil dahinter dieselbe Mentalität stehe wie bei denen, die die freie Meinungsäußerung in der Türkei einschränken. Laut Dink wolle jemand, der auf dem Begriff Genozid beharre, keine Lösung.

Ermordung

Am 19. Januar 2007 wurde Hrant Dink in Istanbul vor dem Verlagshaus der Agos erschossen. 

Nach ersten Angaben türkischer Quellen wurde der mutmaßliche Täter Ogün Samast in Samsun gefasst, mit ihm wurden zehn weitere Verdächtige festgenommen. Der Vater Samasts hatte seinen Sohn auf einem veröffentlichten Überwachungsvideo erkannt und der Polizei einen Hinweis gegeben. Der 17-Jährige, der die Tat inzwischen gestanden und keinerlei Reue gezeigt haben soll,stammt aus derselben  Stadt Trabzon, in der vor knapp einem Jahr der katholische Priester Andrea Santoro ebenfalls von einem (16-jährigen) Jugendlichen ermordet worden war. CNN Turk zitiert Samast mit den Worten: "Ich habe ihn nach dem Freitagsgebet erschossen. Ich bedaure es nicht".Als Motiv für seine Tat gab er an, sein Opfer habe das türkische Volk beleidigt. „Ich habe im Internet gelesen, dass er gesagt hat: 'Ich bin aus der Türkei, aber türkisches Blut ist schmutzig.' erklärte der geständige Täter.“ 


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